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 © Gabriella Adora 1980 - 2011
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Immer schon war ich offen, habe offensichtlich satya gelebt. Früher hat es sich für mich stimmig angefühlt. Heute weiß ich warum: Weil ich nur mit Offenheit mir selbst nah sein kann. Gleichzeitig lade ich auch andere ein, sich zu öffnen und ermutige sie auf dem Weg zu ihrem Selbst. Dabei sehe ich mich weniger als (Spirituelle) Lehrerin, mehr als Erinnerin. Vielleicht gelingt es mir auch ein wenig bei dir, wenn du diese, meine persönliche Abschlussarbeit liest.

Inzwischen gibt es sie auch als eBook beim we are paradise-Verlag. Auf Wunsch sende ich dir gern deine persönliche pdf zum Ausdrucken und danke dir schon jetzt für deine Wertschätzung über 9 Euro auf mein Konto 532151 bei der Deguss Bank Frankfurt, BLZ 50010700. Natürlich freue ich mich auch so über deine freiwillige Wertschätzung. Danke und namaste.

 

Yoga – (m)ein Weg ins Glück

oder wie wir unser eigenes Paradies auf Erden schaffen

Eine Liebeserklärung

OM


Nur, wer achtsam und bewusst ist, erkennt,
nur, wer gefordert wird, macht sich auf den Weg,
nur, wer sucht, findet Antworten,
nur, wer mutig ist und lernt, jeden Tag aufs Neue,
der entwickelt sich weiter
und findet schließlich den größten Schatz:
sich SELBST.
Gabriella Adora, 1988


Inhaltsverzeichnis

 

I. Einleitung

II. Was ist Glück?

III. Meine Anfänge im Yoga

IV. Transformation durch Yoga
a. Was ist Yoga?
b. Unser Geist aus der Sicht des Yoga: Ursache für Freude oder Leid?
c. Yoga als Bewusstseinsschulung 
d. Yoga als Lebensweise

V. Wege zur Selbsterkenntnis mit Yoga
a. Der Beobachter in mir
b. Asanas
c
. Pranayama
d. Meditation

VI. Wege zur Selbsterkenntnis mit Ayurveda
a. Die drei Doshas
b. Die drei Gunas
c. Die fünf Koshas aus ayurvedischer und yogischer Sicht

VII. Schlusswort

VIII. Literaturnachweis

 

I. Einleitung

Du bist wie deine tiefen, drängenden Wünsche.
Wie deine Wünsche, so ist dein Wille.
Wie dein Wille, so ist deine Tat,
und wie deine Tat,
so ist dein Schicksal.
Brhadaranyaka Upanisad IV. 4. 5.

Das, was ich hier nun formuliere, bewegt mich seit vielen Jahren. Vielleicht ist es die Frage, die uns alle unterschiedlich intensiv beschäftigt und antreibt. Ich erinnere mich an mein tiefes Bedürfnis zu verstehen, ja zu begreifen. Mich selbst, die Menschen, die Welt, das Universum, Gott – den Sinn des Lebens. Das brachte mich beizeiten auf meinen Weg und jetzt das Thema dieser Arbeit. Denn all meine Fragen sehe ich für mich im Yoga beantwortet. Was ist der Sinn des Lebens für mich?

Und wann bin ich glücklich? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Gibt es ein Paradies auf Erden? Kann ich es selbst schaffen? Auf der Suche nach Antworten habe ich jahrelang Literatur gewälzt. Aus Psychologie, Philosophie, Religionen u. v. m. Ich habe meinem Körper Bewegung und gute Nahrung gegönnt, ist er schließlich das Haus meiner Seele. Zwei wesentliche Erkenntnisse auf meinem spirituellen Weg waren: Dankbarkeit ist ein Schlüssel zur Freude. Vergebung einer für meinen inneren Frieden. Indem ich vergebe, löse ich nicht nur negative Gedanken und Gefühle in mir auf. Ich schaffe Frieden in mir. Wohl die Voraussetzung für Frieden in der Welt, dass wir bei uns selbst und mit unseren Nächsten beginnen. Sogar auf große Reise bin ich gegangen. Da habe ich erkannt, dass es letztlich nur Äußerlichkeiten sind, die uns trennen. Was uns alle verbindet, ist die Sehnsucht nach Liebe.

 

Schon als ich mich für die Ausbildung zur Yogalehrerin anmeldete, war mir klar: Ich bin nach hause gekommen. Wie sehr, das wird mir noch immer mehr bewusst. Vieles schien und scheint mir so vertraut. Als hätte ich mein Leben lang in gewisser Weise yogisch gelebt. In manchem fand ich wenig Verständnis. Nur von Mahatma Gandhi und dem Dalai Lama fühlte ich mich beispielsweise mit meinem Verständnis von Offenheit (satya) bestätigt. Vielleicht waren es bei mir ja sogar Erinnerungen an ein altes Wissen?

 

Ich habe meinen Weg ins Glück im Yoga gefunden und mag ihn mit dir teilen. Natürlich kann ich im Rahmen dieser Arbeit nur einige wenige, mir persönlich wichtige Teilbereiche aus dem Yoga streifen. Die Struktur habe ich in Anlehnung an meine Entwicklung gewählt – auch wenn manches parallel verlief und es immer noch tut. Aus Respekt vor dem geistigen Gut anderer erwähne ich auch einige Namen und zitiere, was mich besonders angesprochen hat.

 

Kommst du mit auf die Reise?


II. Was ist Glück?

Es ist unsere Bestimmung und unser Erbrecht, uns selbst glücklich zu machen.
Nur, wenn wir glücklich sind, voller Selbstachtung und Liebe für uns selbst,
erfüllt von unserem Wert als Teil der Schöpfung, nur dann können wir
Liebe weitergeben, was ebenfalls unsere Bestimmung ist.
Pedro de Souza

 

Glück oder glücklich sein, hat ganz viel mit mir selbst, mit Eigenverantwortung zu tun, dachte ich immer. Schließlich entscheide ich ganz allein, aus welchem Blickwinkel ich die Welt betrachte. Warum scheint es dennoch eine besondere Gabe zu sein, eine Gnade oder ein Geschenk Gottes, sich auch an den sogenannten kleinen Dingen zu erfreuen: Einer Blume, einem Sonnenstrahl, einem Lächeln … und immer auch die positive Seite von allem zu sehen?

Unendlich viele Autoren haben Bücher gefüllt, mit dem Wunsch, Glück zu definieren. Allen voran unsere großen Philosophen, die durchaus dem Yoga ähnliche Überzeugungen zeigen. Glücksforscher aller Nationen beschäftigen sich nach wie vor damit. Mal geht es um schicksalhaftes Glück, mal um aktives Gestalten. Mal um das Gefühl, um chemische, mentale oder unterbewusste Prozesse.

Sokrates beispielsweise sah wahres Glück und richtiges Leben an Glückseligkeit gebunden. Dazu gehöre auch die Beherrschung zügelloser Begierden (brahmacarya). Laut Aristoteles bestehe Glück in der wesensgerechten Entfaltung der menschlichen Anlagen. Tugend sei insbesondere das Maßhalten zwischen den Extremen. Für die Stoiker, in der Tradition von Sokrates und Diogenes stehend, gilt als glückselig, wer nach der Natur und im Einklang mit der kosmischen Ordnung lebt. Wirkliche Freiheit bestehe nur in Unabhängigkeit von äußerem Geschick, auch von eigenen Leidenschaften und Wünschen. Durch asketische Lebensführung und Bedenken des Übels könne man innere Seelenruhe erlangen und die Furcht vor dem Tode besiegen.

Feuerstein erinnert daran, glücklich sein, also inneres Glück, keinesfalls mit Vergnügen oder äußerem, an Bedingungen gebundenes Glück zu verwechseln. Vergnügen macht von Natur aus abhängig, und zwar genau deshalb, weil es keine vollständige Erfüllung schenkt. Glück ist Glückseligkeit. Nur die ist tief, voll und von Dauer. Nur sie gibt uns Frieden und Ruhe, bringt Harmonie und schenkt uns so Freiheit.

Neurobiologisch betrachtet, löst der Neurotransmitter Serotonin das Glücksgefühl aus. Das Gehirn schüttet diesen Botenstoff in unterschiedlichen Situationen aus, zum Beispiel bei der Nahrungsaufnahme, beim Geschlechtsverkehr oder beim Sport.

Moderne Glücksforscher und -trainer berufen sich meist auf neueste Hirnforschungen. Manch Einer bezeichnet die Kraft unseres Unterbewusstseins sogar als Chance unseres Lebens. Glück ist demnach etwas ganz Einfaches. Glück – genau wie Liebe – ist das Gegenteil von Angst. Und die zwei Hauptängste sind: Die Angst vor dem Tod und die Angst, Verlassen zu werden, d.h. nicht geliebt zu sein. Folglich geht es also ‚nur’ darum, diese aufzulösen. Da wir unsere Gefühle mit unseren Überzeugungen selbst machen, haben wir auch die freie Wahl. Also, wenn ich mich entscheide, glücklich zu sein, dann gibt es hierzu auch einen Weg. Der funktioniert nach deren Auffassung mental über positive Affirmationen und über das Arbeiten mit dem Unterbewusstsein.

Laut Bärbel Mohr und Bestsellern wie The Secret, Law of Attraction könnte ich es mir ja auch einfach beim Universum bestellen. Das ist wohl die Wiederentdeckung alten Wissens, das erstmals wieder in Ein Kurs in Wundern Beachtung findet. Und wie soll das funktionieren? Indem wir dran glauben, visualisieren und unsere Wünsche bereits als erfüllt sehen und dankbar dafür sind?

Im Folgenden beschränke ich mich auf das GLÜCKLICH SEIN, das ich aktiv mit den Mitteln des Yoga gestalten und erreichen kann.


III. Meine Anfänge im Yoga

Die Menschen sind immer so glücklich, wie sie es sein wollen.
Benjamin Franklin

Als ich mit Yoga begann, war ich gerade mit einer 15m Segelyacht auf großer Reise. Zu zweit. Ja, ich hatte den Mut, dem Ruf meines Herzens zu folgen, und habe mir einen Traum erfüllt. Die meisten Menschen verbinden damit Bilder wie: in der Sonne auf dem Deck herum liegen, kühle Drinks, lachen, fröhlich sein. Nun, harte körperliche Arbeit, wenig Schlaf, den Stimmungen der Natur, und auf engstem Raum auch denen des Partners, mehr oder weniger ausgeliefert sein, traf es häufiger. Ich schien manchmal einfach gut zu funktionieren. So wuchs in mir der starke Wunsch, etwas für mich zu tun. Etwas, mit dem ich wieder zu mir selbst und meinem inneren Frieden finden würde. Schließlich liegt es bei mir und weniger an den Umständen, ob ich glücklich bin. Und das wollte ich sein!

So kam ich zu Yoga. Irgendwo hatte ich gelesen, das sei etwas für disziplinierte Individualisten, die sich selbst verwirklichen und Körper, Geist und Seele in Einklang bringen wollen. Genau mein Ding! Prompt fand ich ein passendes Buch: Yoga für Anfänger. Während mein Mann schlief, übte ich. Selbst auf schwankendem Schiffsboden. Wenn ich auch Einiges weniger korrekt und vor allem weniger mit dem Bewusstsein von heute praktiziert habe: Es tat mir gut! Zurück in Deutschland traf ich auf einer Geburtstagsfeier einen Yogalehrer. Er lud mich zu einer Schnupperstunde ein und ich blieb.

Damals hatte ich noch keine konkrete Vorstellung, was sich hinter Yoga tatsächlich alles verbirgt. Ich begann nur wieder, mehr darauf zu hören und zu leben, was ich in mir fühlte. Ich wollte mehr Lebensqualität, also machte ich mich selbständig. Zwar verstand mich niemand, genau wie damals als ich auf Reisen ging. Ich bewies es einmal mehr: Es geht auch anders. Mein Beruf, in dem ich viele meiner Gaben bereits ausleben kann, machte mir ohne den völlig überflüssigen Psychoterror anderer wieder richtig Spaß. Und ich nahm mir endlich Zeit für das, was mir persönlich für meine Entwicklung wichtig ist. Ich las wieder mehr und ein alter Wunsch, ein tiefes drängendes Bedürfnis, meldete sich vehement. Was kann ich tun, um auch andere Interessierte auf ihrem Weg ins Glück zu unterstützen? Ich flehte nach einem Zeichen, einer Eingebung. Es kam über einen Katalog von der Europäischen Akademie für Ayurveda: Mit wachsender Begeisterung studierte ich ihn. Als ich die Seite zur Yogalehrerausbildung aufschlug, durchfuhr es mich wie ein Blitz! Nachdem ich das umfassende Programm mit wachsender Begeisterung gelesen und gleich Termine überprüft hatte, wusste ich: Das ist es! Überglücklich meldete ich mich an.

 

IV. Transformation durch Yoga oder mit Yoga ins Glück

Glück ist Liebe. Wer lieben kann, ist glücklich.
Hermann Hesse

Dank meiner positiven Grundeinstellung empfand ich mich immer schon als eher glücklich, zumindest zufrieden und auch als recht bewusst. Doch warum gibt es immer wieder Durchhänger, Phasen des Leidens? Und dann ausgerechnet ausgelöst durch Missverständnisse mit den Menschen, die mir am nächsten stehen, die ich am meisten liebe? Vor allem, warum macht mir das so viel aus? Ist das normal oder geht es auch anders? Es passierte mir immer dann, wenn Anspannung und Entspannung in einem ungesunden Verhältnis standen. Wenn ich aus meiner Mitte war und blind gegenüber meinen Mustern und Konditionierungen. Was wollte mir das zeigen?

Erst im Laufe der Ausbildung erfuhr ich in und mit mir eine regelrechte Transformation. Ich habe mir eingebildet, schon ganz schön viel zu wissen. Gleichzeitig empfinde ich wie Albert Einstein, der sich auf Sokrates beziehend den Satz prägte: Je mehr ich weiß, desto mehr erkenne ich, dass ich nicht weiß”. Warum? Erst durch Yoga begriff ich: Weil über den Geist allein einfach nicht alles zu lösen ist! Welch unglaublich spannende Entdeckung!

Manchmal fühle ich mich wie ein Schmetterling, der endlich aus seinem Kokon schlüpft. Oder wie eine Zwiebel, von der eine Schale nach der anderen abfällt, bis ihre reine Essenz frei wird. Allmählich verfeinert(e) sich meine Wahrnehmung, mein Bewusstsein verändert(e) sich, mein Körper, mein Geist auf dem Weg zu meinem Selbst, meiner Seele. Auf meinem Weg ins Glück. T

ief in mir fühle ich ein immer länger anhaltendes Glücksgefühl. Und wenn ich es nicht spüre, reicht oft die Erinnerung daran, um es wieder abzurufen. Selbst Momente und Phasen, die ich als tiefsten Schmerz empfand, betrachte ich mittlerweile mit großer Dankbarkeit. Eine kurze Geschichte erzähle ich hierzu unter dem Punkt Meditation. Erst durch sie kam ich an wesentliche Einsichten, die mich hinterher umso glücklicher sein ließen. Einsichten und Erkenntnisse, die ich jetzt auch meinen Yoga SchülerInnen authentisch weiter geben kann. Heute gehe ich anders mit Sorgen, Ängsten und Schmerzen um. Sie stellen keine solche Bedrohung mehr dar, der ich mich hilflos ausgeliefert fühle. Sie lenken lediglich mein Bewusstsein auf eine Situation, mein Verhalten, meine Einstellung. Und schneller als je zuvor komme ich zurück zu meinem inneren Frieden. Mit dem Praktizieren und tieferen Begreifen der Elemente des Yoga.

a) Was ist Yoga?

Yoga citta vrtti nirodhah
Yoga ist das zur Ruhe Kommen unserer geistigen Aktivitäten.
Patanjali, YS 1.2.

In meinen Augen ist Yoga alles und immer. Und alles ist Yoga. Für viele ist es einfach eine Methode, die hilft zu entspannen und gelassener mit den Anforderungen des Alltags zurecht zu kommen, beweglich zu werden und zu bleiben, die Abhilfe schafft bei Kopf- und Rückenschmerzen sowie Schlaflosigkeit und innerer Unruhe, ein Ersatz für Sport, ein Entschleunigen in einer immer schneller werdenden Zeit, bis hin zu einem spirituellen Weg für unsere innere und äußere Entwicklung, Selbstfindung und –verwirklichung durch das zur Ruhe kommen unserer oft kreisenden Gedanken. Ein Bild, das dies verdeutlicht: Stelle dir einen See vor. Wenn die Wasseroberfläche bewegt oder gar schäumend ist, kannst du den Grund nicht sehen. Erst wenn die Wasseroberfläche ruhig ist. Ebenso ist es mit unseren Gedanken. Wenn sie uns beherrschen, können wir unseren Grund, unsere Essenz, unser wahres Selbst nicht erkennen. Yoga verhilft uns zu einem harmonischen Körper, guter Gesundheit, einem angemessenen Gewicht, neuer Energie und einem zufriedenen Leben. Und Yoga steht – auch an unserer Schule, der Rosenberg Gesellschaft für ganzheitliche Gesundheit und Bildung – für einen liebevollen Umgang mit uns selbst, ahimsa. Yoga ist schließlich für die Menschen da und nicht umgekehrt. Wir sind alle anders und gehen daher so in eine Asana, wie sie uns gut tut (vgl. auch Vini Yoga). Es geht darum, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren – bei den Übungen wie auch im Alltag. Und im Gegensatz zum Sport geht es nur um uns selbst, kein Vergleichen mit anderen.

Yoga ist tatsächlich eine Jahrtausende alte, indische Lebensweise, die all das bietet. Yoga heißt “Verbinden“. Und meint damit weit mehr, als Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Letztlich geht es um die Erkenntnis der All-Einheit. Soweit ich das bis heute beurteilen kann, stimme ich Frawley zu, der sagt: ‚Yoga ist eine der außergewöhnlichsten spirituellen Wissenschaften, die der Mensch je entdeckt hat. Er ist ein großes Juwel mit vielen Facetten, deren Licht unserem ganzen Leben einen Sinn geben kann. … Yoga umfasst sämtliche Aspekte des Menschen und der Natur und kann alle höheren Kräfte wachrufen, die uns innerlich und äußerlich zugänglich sind. Die Methoden des Yoga decken unsere gesamte Existenz ab: Körper, Sinne, Gefühle, Seele und Geist sowie die höchste Selbstverwirklichung. Er enthält alle Methoden der höheren Evolution: Körperhaltungen, Ethik, Atemübungen, Schulung der Sinne, Affirmationen, Visualisierung, Gebet, Mantras und komplexe Arten der Meditation. Yoga versteht die Natur und das Zusammenspiel der materiellen, subtilen, formlosen Universen in der grenzenlosen Unendlichkeit jenseits von Raum und Zeit, und er zeigt uns, dass diese Universen in jedem Menschen existieren.’

Inzwischen gibt es viele moderne Yoga Richtungen, so dass jeder seinen Yoga Weg finden kann. Ursprünglich waren es vier Yoga Wege: Bhakti-, Yoga der Hingabe, Jnana-, Yoga des Wissens, Karma-, Yoga der Arbeit und Raja Yoga, der königliche Yoga mit dem achtgliedrigen Pfad nach Patanjali. Zu letzterem gehört neben Empfehlungen für eine Lebensweise im Umgang mit uns selbst und anderen, den Yamas, Niyamas und verschiedenen Stadien der Meditation auch der hier im Westen Bekannteste: der Hatha Yoga, Yoga für den Körper mit Körperübungen (Asanas), Atemtechniken (Pranayama) und Tiefenentspannung (Yoga Nidra).

Iyengar zitiert in seinem Werk Licht auf Yoga Mahadev Desai: „Yoga bezeichnet das Anjochen aller Kräfte des Körpers, des Verstandes und der Seele an Gott. Yoga setzt die Zucht des Denkens, des Bewusstseins, der Empfindungen, des Willens voraus. Es bedeutet Ausgeglichenheit der Seele, die den Menschen befähigt, gleichmütig das Leben in all seinen Aspekten zu betrachten.“

Na dann!

b) Unser Geist aus der Sicht des Yoga: Ursache für Freude oder Leid?

Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.
Marc Aurel

Der göttliche Wagenlenker Sri Krishna erklärt in einer der bedeutendsten Schriften des Yoga, der Bhagavad-Gita (Sanskrit: der Gesang Gottes, etwa 500 v. Chr.), dem Kriegshelden Arjuna, die Bedeutung des Yoga sei unsere Befreiung von Leid und Sorgen. Und wie? In glücklichen Phasen fragen wir uns selten nach Gründen. Nur wenn wir leiden, umso mehr. Ich orientiere mich dann immer wieder gern an dem Gelehrten Patanjali (200 v. Chr. – 200 n. Chr.). In meinen Augen hat er die wesentlichen Erkenntnisse kurz und bündig zusammengefasst. Seine 185 Sutren helfen mir gerade in schwierigen Phasen, mich zu erinnern, zu reflektieren und in meine Mitte zurück zu finden. So Manches daraus erinnert mich an Weisheiten und Philosophien aus anderen Kulturen oder an die Psychologie. Kein Wunder, wird Yoga und Ayurveda als die Wurzel all derer gesehen.

Patanjali erklärt als die Spitze der Freude oder Leid (klesha) verursachenden Aktivitäten unseres Geistes das falsche Verstehen, Unwissenheit (avidya). Darüber hinaus zählt er dazu ein irrtümliches Verständnis von der eigenen Person (asmita), drängendes Verlangen (raga), unbegründete Abneigung (dvesha), tief sitzende Unsicherheit und Anhaftung (am Leben) (abhinivesa). Aufgabe des Yoga ist es demnach, Avidya aufzulösen.

Dass unser Geist, unsere Gedanken eine Schlüsselrolle fürs Glücklich sein spielen, war mir schon früh klar. Wie sehr wurde mir im Laufe unserer Ausbildung erst wirklich bewusst - nicht nur vom Verstand, sondern von innen heraus. Durch intensivere Praxis von Asanas, Pranayama, Meditation, Yoga Nidra. Und auch durch das Studium von Patanjalis Weisheiten und yogischer Philosophie (svadhyaya). Vor allem habe ich erstmals eine vollkommen neue Dimension erfahren: Das bin ja gar nicht ich, die denkt. Es ist mein Geist! In dem Fall Manas, der äußere, sinnliche Aspekt des Geistes im Gegensatz zu Buddhi, der Intelligenz. So habe ich dank Yoga bewusst beobachten können, dass mein Geist offenbar eine eigenständige Instanz ist, die mehr oder weniger automatisch irgendwelche Gedanken produziert.

Woher kommt nun die Beschaffenheit dieser Gedanken? Sind es Konditionierungen, die auf Unwissenheit beruhen? Ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage: Erziehung und Umfeld prägen unsere Gedanken, bis sie verankert in unserem Unterbewusstsein zur Gewohnheit werden. Das ist regelrecht wie ein Programm im Computer. Klar, und gemäß der Natur unserer Gedanken kreieren wir unsere Erfahrungen, Gefühle, unsere Realität. Darunter Erwartungshaltungen, die Enttäuschungen verursachen oder bestenfalls unser eigenes Paradies.

Das Wort und seine Wirkung sind seit langem ein Thema für mich. Wohl deshalb fühle ich mich ebenso in der Kommunikation zuhause. In der Bibel heißt es: „Am Anfang war das Wort.“ (Amen, AUM, OM). Das und die Bedeutung dahinter, das Wort als Schöpfungsprozess zu sehen, haben anscheinend viele vergessen. So formulieren sie unbewusst und unwissend, was sie nicht wollen, anstatt zu sagen, was sie wollen. Es gibt aus dem neurolinguistischen Programmieren (NLP) ein witziges Beispiel, das diesen Zusammenhang auf den Punkt bringt: „Denke nicht an Orangen mit lila Punkten.“ Und, woran denkst du jetzt? Genau. An Orangen mit lila Punkten natürlich. Das ist nur ein triviales Beispiel ohne großartige Konsequenzen. Was mir wichtig ist an dieser Stelle und im Zusammenhang mit dem Wissen aus Yoga und Ayurveda: Was wir denken, beeinflusst unsere Gefühle. Und was wir fühlen, formt unseren Körper, manifestiert und materialisiert sich – schlimmstenfalls als Krankheit.

Schon der Gedanke ’Oh je, ich habe so viel um die Ohren! Wie soll ich das nur alles schaffen?!’ verursacht eine gewisse Nervosität. Womöglich folgen Angst, Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Magenzwicken o. ä. körperliche Symptome – je nach (Konstitutions-)Typ. Bei mir war prompt ein geschwächtes Immunsystem die Folge und ein Virus konnte sich einnisten. Fast überflüssig zu erwähnen, dass ich über eine Woche nichts machen konnte. Nun, ‚danke lieber Körper fürs Erinnern’! Würde ich über längere Zeit so denken und meinem Körper Antibiotika statt Ruhe geben, würde er mir wahrscheinlich als nächstes ein heftigeres Signal in Form einer schlimmeren Krankheit senden. Ich bekam dagegen ein anderes Zeichen: Aus unerklärlichen Gründen verschwand die Datei dieser Arbeit! Ein Albtraum! 1,5 Tage Schreiben im Fluss und Feintuning weg! Und das, wo ich sowieso gerade nach strengstem Zeitmanagement meine Aufgaben erfülle. Prompt bekam ich wieder totale Schulterschmerzen. Klar, die Anspannung war immens. Dank Yoga und meinem Wissen konnte ich wenigstens innerhalb von Stunden meine Schmerzen lindern.

Mit Yoga lernen wir glücklicherweise, uns nicht von unseren Gedanken beherrschen zu lassen, sondern sie zum Werkzeug zu machen. Dann zu denken, wenn und wie es sinnvoll ist - zum Beispiel beim Schreiben dieser Arbeit. Negative Glaubenssätze in Positive umzuwandeln und dem Bösen keine Energie zu geben. Genau das übe ich seit langem und kann es nur bestätigen. Wenn ein Gedanke kommt wie, ‚mein Freund betrügt mich’, sehe ich am Ende schon Bilder von ihm mit einer anderen und fühle mich hundeelend. Oder ich befürchte, dass ein Sturm kommt. Solange keines als wahr gilt und ich mein Bestes für positive Ergebnisse tue, kann ich genauso positiv denken und fühle mich entsprechend besser. So wie ich mir zu Beginn meiner Selbständigkeit wünschte, dass ich Kunden habe, die ich mag, mit Projekten, die mir liegen und am besten, sie kommen zu mir, weil sie auf mich aufmerksam geworden sind.’ Inzwischen glaube ich sogar dran. So hielt ich es dann auch mit der verlorenen Datei. Ich hätte zwar am liebsten losgeheult, doch sagte ich mir, ‚Es ist, wie es ist.’ Alles ist gleich gültig. Ich fokussierte meine Energie und schrieb an einem anderen Punkt weiter. Fast wie durch ein Wunder konnte ich tags drauf eine etwas ältere temporäre Sicherungsdatei öffnen, die mir sehr half.

Abschließend zitiere ich zu diesem Kapitel noch Pedro de Souza (Mahindra): Wenn du all deine negativen Programmierungen und Konditionierungen, deine Angst- und Schuldgefühle losgelassen hast, dann bist du nahe bei Gott. Wenn du richtig handelst (Anmerkung: wohl auch denkst…), bist du glücklich und empfindest innere Freude. Wenn du falsch handelst, leidest du. Wenn du lachst und glücklich bist, ist das ein Zeichen, dass du gelernt hast. „Schau dir einmal Leute an, die glücklich und zufrieden mit ihrem Leben sind. Was haben sie gemeinsam? Sie haben die Absicht, glücklich zu sein. Sie haben Freude an Kleinigkeiten.“ Lachen, beten und Dankbarkeit sind Ausdrucksformen von Glückseligkeit, Freude.

Ja, so ist es wohl. So funktioniert das universelle Gesetz der Anziehung. Also, los geht’s. Und weiter mit der Frage: Wie nur erkennen wir unsere Muster?

c) Yoga als Bewusstseinsschulung

Suche nicht bei anderen Religionen, was du bei deiner eigenen nicht gefunden oder abgelehnt hast. Du brauchst auch keine neuen Rituale.Entwickle dein Bewusstsein und erkenne, dass du selbst göttlicher Natur bist!
Pedro de Souza

Um unsere Konditionierungen, Einstellungen und Reaktionsmuster zu erkennen und sie schließlich zu lösen oder zu wandeln, müssen wir uns ihrer zunächst bewusst werden. Yoga fördert unser BEWUSST SEIN. So begann dann auch mein Weg mit der Schulung meines Bewusstseins. Wie?

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© Gabriella Adora
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